Keine Gewalt gegen Polizisten

Keine Gewalt gegen Polizisten

Das ist keine offizielle Webseite der Polizei!

Ich heiße Mildred Gernhardt und ich bin nicht Polizistin. Es geht mir nicht darum, Polizisten besser zu machen als sie sind. Aber eben auch nicht schlechter.

Polizisten sind Menschen! Auch Polizisten trifft es, wenn sie beleidigt werden. Auch Polizisten haben Schmerzen, wenn sie zusammengeschlagen werden. Auch Polizisten haben Todesängste, wenn sie mit brennbaren Flüssigkeiten übergossen werden, wie am 1. Mai 2009 in Berlin geschehen.

Dieses Blog möchte aufzeigen, wieviel öfter Polizisten Gewalt ausgesetzt sind als sie sie ausüben - wie ihnen immer wieder vorgeworfen wird.

Jeder ist als Kommentator willkommen, auch wenn jemand Kritik an der Polizei üben möchte. Niemand ist perfekt, der menschlich ist - also wird es das eine oder andere zu kritisieren geben. Das Ganze sollte aber bitte ohne Beleidigungen auskommen, insbesondere ohne die Erwähnung männlicher Rinder! ;o) Ich behalte mir vor, Beiträge, die Menschen verachtende Beleidigungen enthalten, zu löschen.

Derzeit kann leider nicht mehr jeder kommentieren. Meiner dringenden Bitte um Einhaltung der Höflichkeitsregeln wurde leider zu oft nicht entsprochen.

Sich anzumelden beinhaltet neben der Möglichkeit zu kommentieren, den Vorteil, dass man von neuen Einträgen automatisch informiert wird.

Wer sich also anmelden möchte:

1. Bitte eine E-Mail an kggpblog@kggp.de schicken.
2. Eine Kontaktmailadresse und einen Wunschbenutzernamen angeben.
3. Ein erstes Log-In-Passwort wird zugestellt.

Schon kann es losgehen.

Zum Inhaltsverzeichnis des Blogs.
Aufgrund der schieren Menge habe ich eine Art "Auslagerungsdatei" für Gewaltakte gegen Polizeibeamte gebildet. Dieses zweite Blog heißt "Galerie der Gewalt". Beide Blogs sind Teil des Gesamtprojekts "Keine Gewalt gegen Polizisten".

Brüssel

Mildred GernhardtPosted by Mildred Gernhardt 06 Apr, 2011 21:43:47

Gestern war ich beruflich für einen Tag in Brüssel. Eine schöne Stadt. Besonders für mich... smiley

Überraschenderweise bemerkte es einer meiner Begleiter noch vor mir: "Mann, sind hier viele Bu**** unterwegs. Ist hier was Besonderes?"

Zunächst war ich verwirrt. Rindviecher mitten in der lärmenden Großstadt? Artgerecht? Und wieso hatte ich die noch gar nicht festgestellt?

Ach ja... die neumodische Wahrnehmungsstörung…

In der Tat sah ich dann auch, was er meinte. Jede Menge Polizei.

Und ja, in Brüssel ist etwas Besonderes, nämlich das Europaparlament, der Sitz der Europäischen Kommission, der Sitz des Ministerrates und auch noch der Sitz der NATO. Wenn das nicht reicht, um eine bestimmte Polizeipräsenz zu rechtfertigen, weiß ich es auch nicht.

Abgesehen davon, dass es beim gemeinen Brüsseler auch ein gewisses Fahrstilproblem zu geben scheint, denn in der einen Stunde, die ich mich in der Innenstadt aufhielt, waren drei Motorradpolizisten im Einsatz, um Unfälle auf- und Verkehrskontrollen vorzunehmen.

Es kam wie es kommen musste – natürlich verliefen wir uns. Da Französisch für mich wie meine zweite (leider ein bisschen eingerostete smiley) Muttersprache ist, oblag es mir, entsprechende Erkundigungen einzuziehen.

Natürlich fragte ich den netten, jungen Polizisten, der vor einem historisch und kulturell wertvollen Monument aufgebaut war und der in mir die Frage aufwarf, ob die Belgier zur Wahrung des Gesamteindrucks generell ihre schönsten Polizisten vor touristisch wertvolle Örtlichkeiten platzieren. Auch einer, den ich sofort adoptiert hätte. (Ich muss wahrscheinlich demnächst anbauen! smiley)

Abgesehen davon, dass ich (zumindest in demokratischen Ländern!) gerne mit Polizisten rede, ist es einfach eine sichere Sache, einen solchen nach dem Weg zu fragen. Wer kennt sich besser aus als Polizisten und Taxifahrer? Außerdem können Polizisten sich so präzise ausdrücken, dass man auch da landet, wo man hinwill und nicht am Allerwertesten der Welt.

Als ich auf den jungen Mann zuging, hatte ich einen sehr energischen Schritt drauf. Immerhin hatte ich es eilig und wollte schnell zum Ziel kommen. Es war fast unmerklich, aber Monsieur le policier nahm sofort eine angespanntere Körperhaltung ein und ließ unauffällig die Hand auf seine Waffe gleiten.

Ich blieb stehen. In höflichem Abstand, denn ich hasse selbst distanzlose Menschen. Ich möchte nicht jedermanns Atem riechen müssen.

"Excusez-moi, Monsieur, je cherche xyz."

Sofortige Entspannung, freundliches Lächeln, präzise Wegbeschreibung in genau der richtigen Sprechgeschwindigkeit. Langsam genug, um mein eingerostetes französisches Sprachzentrum nicht auszuknocken, aber schnell genug, um mir nicht das Gefühl zu geben, ein verbaler Vollidiot zu sein. Die vormals auf der Waffe liegende Hand wurde nun genutzt, um die Beschreibung durch Gesten zu untermalen. Alles paletti! Nix zu meckern. Wir kamen schnell zum gewünschten Ziel.

Als ich am Ende eines hektischen Tages, wieder daheim, zur Ruhe kam, erinnerte ich mich an den Ausdruck seiner Augen, als ich da zielgerichtet auf ihn zuschoss. Misstrauen und Wachsamkeit. Erst als klar wurde, dass ich einfach eine Auskunft wollte, stellte sich stattdessen ein freundlicher Blick ein. Monsieur hat es sogar geschafft, bis in seine Augen zu lächeln, als ich mich liebenwürdig für die Auskunft bedankte und ihm noch einen schönen Tag wünschte.

Gut, ich hätte mir jetzt vom ersten Teil seines Augenausdrucks ins Hemd machen und mich diskriminiert fühlen können. Ich, die ich noch keiner Fliege etwas zuleide getan habe, wurde hier quasi unter Generalverdacht gestellt. Wenn das mal kein Grund ist, sich sozusagen aus Prinzip beleidigt zu fühlen...

Aber immerhin kenne ich mittlerweile die Situation in Deutschland ganz gut, in Frankreich und der Schweiz ein bisschen und auch aus Luxemburg und Österreich dringen Nachrichten an mein Ohr, die eindeutig besagen, dass auch dort die Gewalt gegen Polizeibeamte ansteigt.

Sollte das in Belgien ähnlich sein?

Eine kleine Internetrecherche lieferte mir folgende Zufallsfunde:

*19.04.2010: In einer Brüsseler U-Bahn-Station griffen etwa 40 Personen eine Brigade der Eisenbahnpolizei an, zwei verletzte Polizisten. (Quelle)

*24.03.2011: Bei einer Großdemo gegen die Sparpolitik vieler EU-Mitgliedstaaten flogen Steine und andere Wurfgeschosse gegen die engesetzten Polizeibeamten. Mehrere davon wurden verletzt. (Die Polizei erfrechte sich, mit Wasserwerfern und Pfefferspray gegen die Gewalttäter vorzugehen.) (Quelle)

*02.04.2011: In Lüttich schoss ein junger Mann aus dem Fenster seiner Wohnung mit einer Druckluftwaffe auf einen Polizisten, den er im Gesicht traf. (Quelle)

*03.04.2011: In Wavre ignorierte ein alkoholisierter LKW-Fahrer Anhaltezeichen und fuhr einen Polizisten über den Haufen. (Quelle)

Übrigens habe ich hier besondere Liebesgrüße an jene Künstler, die mir Kritiklosigkeit in Hinblick auf Polizeibeamte vorwerfen:
Im Februar 2010 standen vierzehn belgische Polizeibeamte wegen rassistischer Übergriffe in Brüssel vor Gericht (Quelle). Ganz wie hier gibt es auch dort Vollpfosten im Polizeidienst. Und ganz wie hier kann man gegen diese mit rechtsstaatlichen Mitteln vorgehen, ohne gleich alle über einen Kamm zu scheren und zu vertrimmen.

Alles in allem kann ich nur schlussfolgern, dass das Misstrauen des netten Polizisten in Brüssel mehr als vernünftig war. Schließlich hat er es sofort abgelegt, nachdem er wusste, was ich von ihm wollte. Und dass er einfach abends gesund nach Hause kommen möchte, kann ich ihm wohl kaum übel nehmen. Im Gegenteil!

Wer sich von so etwas angepisst fühlt, sollte vielleicht auch einmal so eine Internetrecherche betreiben… Lesen gefährdet bekanntlich die Dummheit.

Ein Lichtblick für die belgischen Polizisten: der belgische Justizminister de Clerck sagte 2009: "une tolérance zéro doit également être appliquée aux cas de violence à l'encontre de la police." (Quelle) Übersetzt heißt das soviel wie: "Wir müssen auch eine Nulltoleranzpolitik in Hinblick auf Übergriffe gegen Polizeibeamte fahren."
Gut, wie schon Alain Ysebart, Repräsentant einer belgischen Polizeigewerkschaft so treffend bemerkte, sind diese Worte nichts als "bonnes intentions, sans rien de concret" (gleiche Quelle), also nicht als gute Absichten ohne etwas Konkretes. Da die Belgier ja seit Juni 2010 damit beschäftigt sind, eine neue Regierung zu bilden und da auch kein Ende in Sicht ist, werden die belgischen Polizisten wohl auch noch eine Weile auf Konkretes warten müssen. Aber dass ein Politiker in der Position eines Justizministers sich öffentlich in klaren Worten hinter seine Polizisten stellt ist zwar erstmal nur eine Absichtserklärung, aber doch etwas mehr als wovon Polizisten in Deutschland auch nur träumen könnten.

Aber nach Brüssel werde ich gerne wiederkommen. Nicht nur wegen der netten Polizisten, sondern auch, weil mir die Brüsseler insgesamt als sehr freundliches Völkchen erschienen. smiley