Keine Gewalt gegen Polizisten

Auf Wiedersehen…Mildred Gernhardt

Posted by Mildred Gernhardt 23 Apr, 2011 21:09:22

… und auf zu neuen Ufern.

Also, schon vor einiger Zeit habe ich angekündigt, dass sich auf der Projekthomepage und in Sachen Blogs einige Veränderungen tun werden. Wäre ich nicht in der Schweiz in Urlaub gewesen, hätte ich hier Tag für Tag runtergezählt.

Beide Blogs, "Keine Gewalt gegen Polizisten" und die "Galerie der Gewalt" habe ich auf einen neuen Provider umgelegt. Sie sind jetzt hier und hier zu finden. Das hat ein wenig Gehirnschmalz erfordert, weil ein wenig Programmierarbeit nötig war.

Dafür können beide Blogs jetzt wieder frei kommentiert werden. Allerdings müssen die Kommentare vorerst noch von mir freigeschaltet werden.

Wer weiterhin angemeldet bleiben möchte, möge sich bitte spätestens jetzt bei mir melden und zwar unter mgernhardt@kggp.de.

Nun zu den Umgangsformen:

Mich kann man gern so lange und so ausführlich beleidigen, wie es Spaß macht. Ich empfinde das mittlerweile als Kompliment. Solange ich aus den extremistischen Ecken auf das Übelste beschimpft werde, bin ich noch auf dem richtigen Weg. Vieles beweist ja auch, auf welch unterirdischem Niveau so mancher verbal landet, wenn ihm die Argumente ausgehen.

Aber in meinen Blogs werden keine Polizeibeamte beleidigt. Also probiert es gar nicht erst. Ihr verschwendet nur Eure Zeit.

Wie gesagt, sachliche Kritik an der Polizei ist weiterhin erlaubt. Da es da bei manchen offenbar ein gewisses Verständnisproblem gibt, was sachlich bedeutet: man bleibt beleidigungsfrei. Und beleidigen tun nicht immer nur die anderen! Alles klar?

Last but not least ist ein neuer Blog hinzugekommen, den ich mir als Diskussionsforum vorstelle. Weniger Kommentare als in den letzten Wochen bei "Wer-kennt-wen" werde ich hier auch nicht bekommen, so viel ist schon mal sicher. Wem es wirklich um das Projekt "Keine Gewalt gegen Polizisten" geht, der kann sicher auf diese Seiten kommen. Wie gesagt, ein Abo ist möglich, man muss also nur einmal proaktiv die Seite ansprechen…

Da ich eine Woche Pause in der Schweiz gemacht habe (soweit man das als Pause bezeichnen kann, das Thema "Polizei" auch in der Schweiz nicht aus dem Kopf zu bekommen… smiley ), hier noch einmal zur Erinnerung, was Sinn und Zweck des Projekts sind:

http://kggp.m-gernhardt.de/#post249

Ja, danke auch der Nachfrage. Mein Urlaub in der Schweiz war echt toll.

Ich mag die Schweiz. smiley

Und die Schweizer Polizei. smiley

Letztere hat ja auch eine eigene Seite meiner Homepage gewidmet bekommen. Dieser Seite kann ich in den nächsten Tagen auch endlich ein anständiges Symbolfoto verpassen und somit endlich das Spielzeugauto ersetzen.

Natürlich habe ich eine Menge weiterer Fotos geschossen, die ein eigenes Album in den Fotostrecken bekommen werden. Und ich habe eine Menge gebloggt, was ich in den folgenden Tagen so nach und nach online stellen werde. Der erste kommt gleich schon online… aber im neuen Blog!!!

Zu meiner großen Freude haben sich auch in der Schweiz einige Unterstützerbotschaften der Aktion "All cops are beautiful" finden lassen. Auch die werden bald online gestellt werden.

Also, dann viel Spaß mit all den Neuerungen.

So, und jetzt endgültig:

Ende dieses Blogs!

Große Dinge...Mildred Gernhardt

Posted by Mildred Gernhardt 13 Apr, 2011 21:29:11

...werfen ihre Schatten voraus.

Obwohl wirklich genug passiert, worüber ich mich auslassen könnte (und sei es der Anschlag auf das Polizeigebäude in Berlin), komme ich derzeit nicht dazu.

Ich bin nicht sehr glücklich damit, dass ich hier die Kommentarfunktion wegen der üblen Beleidigungen schließen musste, denn damit schränke ich ja auch die ein, die es beleidigungsfrei hinkriegen.

Derzeit arbeite ich an einer Zwischenlösung...

Also, wenn ich mich nicht melde, heißt das nicht, dass mich das Thema "Gewalt gegen Polizisten" plötzlich langweilt. Es heißt nur, dass ich als informationstechnischer Vollpfosten gerade viel Spaß mit so Zeugs wie MySQL-Datenbanken, PHP und ähnlich netten Kleinigkeiten habe... smiley, da ich leider ein bisschen an der neuen Blogsoftware selbst basteln muss....

Früher mal hätte für mich ein Klingonisch-Kurs näher gelegen...

Es zeichnet sich aber ab, das sich das Ergebnis wird sehen lassen können. Schon mal danke, an alle, die mich unterstützen.... smiley

Ach ja, wer auch die neuen Blogs lesen und abonnieren will, möge mir Bescheid geben. Die beiden "alten" Blogs bleiben selbstverständlich lesbar, aber werden eben nicht mehr mit neuen Posts bedient.

Entbehrliche BlockwartmentalitätMildred Gernhardt

Posted by Mildred Gernhardt 09 Apr, 2011 12:10:44

Also, ich mag mein Land. smiley Ich finde die Deutschen nicht im Ansatz so schlecht wie ihren Ruf. Übrigens meine ich damit den Ruf im eigenen Land. Im Grunde ganz normale Menschen, mit ihren Vor- und Nachteilen. Deutschland selbst hat wunderschöne Ecken. Was nicht heißt, dass es besser ist als andere Länder, aber eben auch nicht schlechter.

Der vielen schönen Seiten von Deutschland wegen stelle ich auch auf meiner Autorinnenhomepage jede Menge Fotos vor.

Klar gibt es hier einiges zu meckern. Aber es ist nicht alles einfach nur mies, auch wenn es heutzutage schick ist, alles Scheiße zu finden. Ein Regentag im Monat reicht ja manchen schon aus, daraus abzuleiten, wie kalt dieses Land sei. Geo- und sozialklimatisch gesehen.

So manche Züge der Deutschen (und damit meine ich nicht die Bahn, die sich selbst dann noch als pünktlich deklariert, wenn ein Schweizer schon nervös wird) finde ich allerdings auch recht fragwürdig.

So begab es sich letztes Wochenende, dass der Mannschaftsbus des HSV von einer Streife der Karlsruher Polizei, bestehend aus zwei Männern und einer Frau, aus dem Verkehr gezogen wurde. Bereits Montag wurden die Online-Medien davon überschwemmt, dass dies lediglich stattgefunden habe, weil die junge Polizistin ein Autogramm des HSV-Spielers Petric haben wollte.

Sicherlich ein kritikwürdiges Verhalten. Wenn es sich denn wirklich lediglich um diese Autogrammbitte gehandelt haben sollte.

Möglich wäre natürlich auch, dass der Busfahrer die Kelle aus einem ganz anderen Grund gesehen hat. Ich fahre oft auf Autobahnen. Nicht nur ein Bus fällt mir regelmäßig mit sehr fragwürdigen Überholmanövern auf. Ein Schulbusfahrer hat mal wörtlich zu mir gesagt, dass er beim Spurwechsel prinzipiell nicht blinke. "Der PKW wird schon bremsen, denn der weiß, wer hier der Stärkere ist." (Alles klar! Geht doch nix über sittliche Reife…smiley)

Lieber Fahrer des HSV-Busses, ich will Ihnen hier gar nichts unterstellen. smiley Ich will nur deutlich machen, dass es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass das Autogramm nur ein Nebenprodukt einer vollkommen ordnungsgemäßen Situation war.

Natürlich kann ich das nicht wissen. Aber auch sonst kann es niemand wissen. Außer dem Busfahrer, den HSV-Angehörigen im Bus und den drei Polizeibeamten.

Nun könnte ich mir mal wieder die höchst müßige Frage stellen, wieso meine Timeline auf Twitter seit Montag davon so dermaßen überschwemmt wird, dass man den Eindruck bekommen könnte, die Polizei läge derzeit deutschlandweit bequem auf der faulen Haut herum? Außer in Hinblick auf diese Angelegenheit kommt sie nämlich in der Berichterstattung so gut wie nicht mehr vor. Nur, wenn man mit sehr viel Hingabe danach sucht. Dazu passen würde die nicht minder müßige Frage, wieso eigentlich ein Polizist, der kurz und klein geprügelt wird, nicht auf ein ähnlich großes tagelanges Interesse stößt?

Na ja, über diese mir persönlich höchst eigenartig erscheinenden Prioritäten habe ich mir schon so oft Gedanken gemacht, das habe ich aufgegeben.

Gestern schien die Sachlage abzuflauen. Es schaffte sogar eine Meldung durchzukommen, die beschrieb, wie Polizeibeamte in Pegnitz einen Einbrecher stellten, der sie daraufhin mit brennbarer Flüssigkeit bespritzte, ihnen brennende Zeitungen entgegenwarf und dann noch einige Regale auf sie umstürzte…

Ist das nicht deutlich dramatischer als die Angelegenheit mit dem HSV-Bus?

Zum Glück wurden beide Polizeibeamte nicht verletzt. Aber ich befürchte ganz ehrlich, dass selbst wenn einer tot und der andere lebenslänglich entstellt daraus hervorgegangen wäre, hätte das kein dem HSV-Autogramm-Darmwind vergleichbares Echo hervorgerufen. Nicht einmal die brutale Attacke gegen Michael Frehn, der immerhin als eine Art B-Promi durchgehen kann, hat außer der Rheinischen Post irgendjemanden hinter dem Ofen hervorgelockt.

Hach, jetzt stelle ich mir ja doch wieder Fragen… smiley

Heute Morgen fuhr ich also hoffnungsfroh Twitter hoch und was sah ich – die Autogrammstunde mit den Karlsruher Polizisten war schon wieder Thema Nummer 1. Zum Beispiel hier. Tausendfach retweetet. Und warum?

Weil da "ein Bürger" Anzeige gegen die drei Polizisten erstattet hat!!!!


smiley


Das muss man sich mal beim Lesen auf dem Gehirn zergehen lassen.

Nicht der Herr Mladen Petric hat Anzeige erstattet. Der schien sich vielmehr geehrt zu fühlen. Auch nicht der Trainer des HSV, der immerhin hätte argumentieren können, dass seine Jungs wegen dieser Aktion ganze zehn Minuten später nach Hause kamen und somit komplett aus ihrem Rhythmus gerissen worden sind. Nicht einmal der Fahrer des Busses, der doch zumindest höchst verwundert gewesen sein dürfte, sollte er wirklich für nichts und wieder nichts hinter einem lustig "Bitte Folgen" blinkenden Polizeifahrzeug hergefahren sein. Nein, im Gegenteil schien man das beim HSV mit mildem Amüsement zu betrachten. Und so dermaßen in den Schlagzeilen zu sein, ohne sich dafür sonderlich angestrengt zu haben, ist auch gar nicht mal so schlecht…

Nein, ein unbeteiligter Dritter fühlte sich bemüßigt, diese Anzeige zu erstatten.

Hä? smiley

Also, ich versteh ja vieles nicht. Aber so etwas will ich auch gar nicht verstehen. An dem Tag, an dem ich solche Aktionen nachvollziehen kann, werde ich hoffentlich notgeschlachtet.

Solch ein Phänomen gab es schon im Zusammenhang mit dem Fall Margot Käßmann, als kurz nach ihrer Trunkenheitsfahrt ihre Alkoholwerte öffentlich wurden. Ja, auch ich hatte damals einen Polizisten im Verdacht und habe geschimpft wie ein Rohrspatz. Aber ich wäre im Traum nicht auf die Idee verfallen, eine Anzeige zu erstatten. Damals haben mindestens drei Menschen Anzeige gegen die Polizei erstattet. Nicht einer davon war Margot Käßmann.

Genauso gut könnte ich eine Anzeige erstatten, weil da jemand dreißig Meter weiter die Einfahrt eines Nachbarn zuparkt. Aber sollte nicht mein Nachbar selbst entscheiden, ob er sich davon gestört fühlt?

Erstens geht es mich einen feuchten Scheißdreck an, was sich in der Einfahrt meines Nachbarn abspielt.

Zweitens ist mein Nachbar ein erwachsener Mensch, der schon selbst eine Anzeige erstatten wird, wenn er es für notwendig erachtet. Genau, wie Frau Käßmann eine Anzeige erstattet hätte, wenn ihr danach gewesen wäre. Und wie ein HSV-Angehöriger das hätte tun können, wenn er Lust dazu gehabt hätte.

Ich möchte wirklich nicht wissen, was sich in Leuten abspielt, die sich nicht nur ungefragt einmischen, sondern andere auch noch dermaßen entmündigen, dass sie ihnen nicht einmal zutrauen, selbst zu entscheiden, was sie gut finden sollen und was nicht.

Geht es darum, sich wichtig zu machen oder ist es einfach so schön, der Polizei eine zu verballern, dass der Grad der Lächerlichkeit dabei keine Rolle mehr spielt?

Ist es Zufall, dass die Blockwarte ausgerechnet hier erfunden wurden oder liegt es daran, dass sich andere bei der Denunziation nicht mit Kleinkram aufhalten sondern gleich in die Vollen gehen? Nach dem Motto, wenn keine Todesstrafe verhängt wird, lohnt sich Denunziation schon mal gar nicht?

Wenn ich übrigens bei meinem Nachbarn dunkel gekleidete Gestalten ums Haus schleichen sehe, dann mische ich mich durchaus ein. Ich sag nur 110. Das ist aber wohl eine ganz andere Baustelle.

Der Polizist und die DoktorinMildred Gernhardt

Posted by Mildred Gernhardt 08 Apr, 2011 07:20:53

Manche sind so dermaßen blöd, dass es schon wieder lustig ist. Und sie versuchen nicht einmal, das irgendwie zu verbergen. Zum Glück, denn sonst hätte ich gestern Abend einen Lachanfall weniger gehabt.

Ich hatte einen lustigen Abend mit zwei Bekannten. smiley Eine hatte in einer Social Community die mehr oder minder schlauen Äußerungen einer "Dame" über eine Begegnung mit einem Polizisten gesehen, ausgedruckt und mir mit den Worten überreicht: "Wäre die nicht was für Deinen Blog?" Dazu muss man sagen, dass diese Bekannte keine besondere Freundin der Polizei ist. Sie hat auch nichts gegen die Polizei. Aber sie hat einen (ehrlich erworbenen) Doktortitel und insofern ein gewisses Interesse daran, dass andere Träger eines solchen sich nicht allzu minderintelligent präsentieren.

"Wäre die nicht was für Deinen Blog?"

Aber ja!!!! smileysmileysmiley

Die Protagonistin der Geschichte hatte ihren Beitrag mit der vordergründig neutralen Feststellung eröffnet, dass es doch tatsächlich 5,- € kostet, genau vor der Nase eines Polizisten bei Rot über eine Ampel zu gehen.

WOW! smiley


smileyWas für eine Bombenerkenntnis.smiley

Eigentlich nicht besonders überraschend, aber für manche anscheinend schon. Na ja, je nachdem, wie die Erziehung verlaufen ist, kann man derartiges Wissen nun wirklich nicht voraussetzen. Viele Opfer antiautoritärer Erziehung haben tatsächlich nicht die leiseste Ahnung, dass Regeln nicht nur lästig sind, sondern auch Leben retten können. In dem Fall sogar das eigene, denn die Ampel ist ja nicht zum Spaß rot.

Natürlich war schon der erste Satz der Geschichte nicht wirklich neutral. Es bedarf schon einer nicht unerheblichen Dummdreistigkeit, im vollen Blickfeld eines Polizeibeamten bewusst dieses Rot zu ignorieren. Damit zeigte sie ja schon deutlich, was sie von diesem Berufsstand hält.

Die meisten durch das dauerhafte Desinteresse (= antiautoritäre Erziehung) ihrer Erzeuger Geschädigten schieben darüber ja auch gewaltigen Frust. Unter anderem, weil ihnen das notwendigste Rüstzeug für ein erfolgreiches Leben vorenthalten wurde. Schade nur, dass sie diesen nicht an den wahren Schuldigen auslassen. Vermutlich, weil die nicht sorgenden Eltern auch gerade so gar keine Zeit für ihre Kinder haben… hatten sie schließlich noch nie, warum sollte es also jetzt anders sein? Deswegen passt es ganz gut, wenn da solch ein Polizist daherkommt, der eine Grenze setzt. Der bekommt dann aber richtig Bescheid und kann froh sein, wenn das rein verbal von statten geht.

In unserem Fall wagte es der Polizist offenbar tatsächlich, unsere antiautoritär erzogene und deswegen durch eine rote Ampel sachlich und emotional komplett überforderte Person, mit "junge Dame" anzusprechen.

Es erfolgte eine sofortige Aufklärung an seine Adresse, dass unsere Heldin mit "Frau Doktor" angesprochen zu werden wünsche.

smiley

Ja, nee, ist klar.

So einen Doktortitel sollte man sich schon auf die Stirn tätowieren, damit das Gegenüber auch weiß, mit wem es hier zu tun hat. Vorausgesetzt der Doktortitel ist überhaupt vorhanden und nicht einfach nur vorgeschoben, um den Polizisten "ins Unrecht" zu setzen. Wobei mir persönlich vollkommen unklar ist, wo der Zusammenhang ist, aber gut. Logik verkommt gerade beim Thema "Polizei" gerne zur Nebensache.

Jedenfalls war die "Dame" mächtig stolz auf sich, als sie dieses Erlebnis für alle lesbar unters Volk brachte. Sie glaubt tatsächlich von sich, sie habe den Polizisten "zurecht gewiesen".

Muahahahaha! smiley

Oh ja, der wird sich sehr schlecht davon fühlen, dass eine Frau Doktor zu dämlich ist zu erkennen, was das lustige rote Licht an einer Ampel bedeutet. War offenbar nicht Bestandteil ihrer Forschungen… schade…

Auch wird er sich natürlich in den Schlaf geweint haben angesichts der Armseligkeit, die sich darin manifestiert, nach so einem Killefitt wie dem Abdrücken von 5,- €, auf seinem angeblichen akademischen Titel herumzureiten. Schon ohne solche Vorkommnisse ist solches Angebertum peinlich genug…

Polizisten bekommen so viel geballte Lächerlichkeit im Laufe ihres Berufslebens zu spüren – der Mann wird mit Sicherheit keine Sekunde mehr über diesen Faux-pas nachgedacht haben. Also ihren Faux-pas. Er hat ja alles richtig gemacht.

Im Grunde hat die "Dame", die sich nicht enblödete, diesen peinlichen Intelligenzausfall mit allen Anzeichen von Selbstzufriedenheit der Weltöffentlichkeit zum Besten zu geben, riesiges Glück. Wäre Dummheit strafbar, wäre sie wohl kaum mit 5,- € davongekommen…

BrüsselMildred Gernhardt

Posted by Mildred Gernhardt 06 Apr, 2011 21:43:47

Gestern war ich beruflich für einen Tag in Brüssel. Eine schöne Stadt. Besonders für mich... smiley

Überraschenderweise bemerkte es einer meiner Begleiter noch vor mir: "Mann, sind hier viele Bu**** unterwegs. Ist hier was Besonderes?"

Zunächst war ich verwirrt. Rindviecher mitten in der lärmenden Großstadt? Artgerecht? Und wieso hatte ich die noch gar nicht festgestellt?

Ach ja... die neumodische Wahrnehmungsstörung…

In der Tat sah ich dann auch, was er meinte. Jede Menge Polizei.

Und ja, in Brüssel ist etwas Besonderes, nämlich das Europaparlament, der Sitz der Europäischen Kommission, der Sitz des Ministerrates und auch noch der Sitz der NATO. Wenn das nicht reicht, um eine bestimmte Polizeipräsenz zu rechtfertigen, weiß ich es auch nicht.

Abgesehen davon, dass es beim gemeinen Brüsseler auch ein gewisses Fahrstilproblem zu geben scheint, denn in der einen Stunde, die ich mich in der Innenstadt aufhielt, waren drei Motorradpolizisten im Einsatz, um Unfälle auf- und Verkehrskontrollen vorzunehmen.

Blog image

Es kam wie es kommen musste – natürlich verliefen wir uns. Da Französisch für mich wie meine zweite (leider ein bisschen eingerostete smiley) Muttersprache ist, oblag es mir, entsprechende Erkundigungen einzuziehen.

Natürlich fragte ich den netten, jungen Polizisten, der vor einem historisch und kulturell wertvollen Monument aufgebaut war und der in mir die Frage aufwarf, ob die Belgier zur Wahrung des Gesamteindrucks generell ihre schönsten Polizisten vor touristisch wertvolle Örtlichkeiten platzieren. Auch einer, den ich sofort adoptiert hätte. (Ich muss wahrscheinlich demnächst anbauen! smiley)

Abgesehen davon, dass ich (zumindest in demokratischen Ländern!) gerne mit Polizisten rede, ist es einfach eine sichere Sache, einen solchen nach dem Weg zu fragen. Wer kennt sich besser aus als Polizisten und Taxifahrer? Außerdem können Polizisten sich so präzise ausdrücken, dass man auch da landet, wo man hinwill und nicht am Allerwertesten der Welt.

Als ich auf den jungen Mann zuging, hatte ich einen sehr energischen Schritt drauf. Immerhin hatte ich es eilig und wollte schnell zum Ziel kommen. Es war fast unmerklich, aber Monsieur le policier nahm sofort eine angespanntere Körperhaltung ein und ließ unauffällig die Hand auf seine Waffe gleiten.

Ich blieb stehen. In höflichem Abstand, denn ich hasse selbst distanzlose Menschen. Ich möchte nicht jedermanns Atem riechen müssen.

"Excusez-moi, Monsieur, je cherche xyz."

Sofortige Entspannung, freundliches Lächeln, präzise Wegbeschreibung in genau der richtigen Sprechgeschwindigkeit. Langsam genug, um mein eingerostetes französisches Sprachzentrum nicht auszuknocken, aber schnell genug, um mir nicht das Gefühl zu geben, ein verbaler Vollidiot zu sein. Die vormals auf der Waffe liegende Hand wurde nun genutzt, um die Beschreibung durch Gesten zu untermalen. Alles paletti! Nix zu meckern. Wir kamen schnell zum gewünschten Ziel.

Als ich am Ende eines hektischen Tages, wieder daheim, zur Ruhe kam, erinnerte ich mich an den Ausdruck seiner Augen, als ich da zielgerichtet auf ihn zuschoss. Misstrauen und Wachsamkeit. Erst als klar wurde, dass ich einfach eine Auskunft wollte, stellte sich stattdessen ein freundlicher Blick ein. Monsieur hat es sogar geschafft, bis in seine Augen zu lächeln, als ich mich liebenwürdig für die Auskunft bedankte und ihm noch einen schönen Tag wünschte.

Gut, ich hätte mir jetzt vom ersten Teil seines Augenausdrucks ins Hemd machen und mich diskriminiert fühlen können. Ich, die ich noch keiner Fliege etwas zuleide getan habe, wurde hier quasi unter Generalverdacht gestellt. Wenn das mal kein Grund ist, sich sozusagen aus Prinzip beleidigt zu fühlen...

Aber immerhin kenne ich mittlerweile die Situation in Deutschland ganz gut, in Frankreich und der Schweiz ein bisschen und auch aus Luxemburg und Österreich dringen Nachrichten an mein Ohr, die eindeutig besagen, dass auch dort die Gewalt gegen Polizeibeamte ansteigt.

Sollte das in Belgien ähnlich sein?

Eine kleine Internetrecherche lieferte mir folgende Zufallsfunde:

*19.04.2010: In einer Brüsseler U-Bahn-Station griffen etwa 40 Personen eine Brigade der Eisenbahnpolizei an, zwei verletzte Polizisten. (Quelle)

*24.03.2011: Bei einer Großdemo gegen die Sparpolitik vieler EU-Mitgliedstaaten flogen Steine und andere Wurfgeschosse gegen die engesetzten Polizeibeamten. Mehrere davon wurden verletzt. (Die Polizei erfrechte sich, mit Wasserwerfern und Pfefferspray gegen die Gewalttäter vorzugehen.) (Quelle)

*02.04.2011: In Lüttich schoss ein junger Mann aus dem Fenster seiner Wohnung mit einer Druckluftwaffe auf einen Polizisten, den er im Gesicht traf. (Quelle)

*03.04.2011: In Wavre ignorierte ein alkoholisierter LKW-Fahrer Anhaltezeichen und fuhr einen Polizisten über den Haufen. (Quelle)

Übrigens habe ich hier besondere Liebesgrüße an jene Künstler, die mir Kritiklosigkeit in Hinblick auf Polizeibeamte vorwerfen:
Im Februar 2010 standen vierzehn belgische Polizeibeamte wegen rassistischer Übergriffe in Brüssel vor Gericht (Quelle). Ganz wie hier gibt es auch dort Vollpfosten im Polizeidienst. Und ganz wie hier kann man gegen diese mit rechtsstaatlichen Mitteln vorgehen, ohne gleich alle über einen Kamm zu scheren und zu vertrimmen.

Alles in allem kann ich nur schlussfolgern, dass das Misstrauen des netten Polizisten in Brüssel mehr als vernünftig war. Schließlich hat er es sofort abgelegt, nachdem er wusste, was ich von ihm wollte. Und dass er einfach abends gesund nach Hause kommen möchte, kann ich ihm wohl kaum übel nehmen. Im Gegenteil!

Wer sich von so etwas angepisst fühlt, sollte vielleicht auch einmal so eine Internetrecherche betreiben… Lesen gefährdet bekanntlich die Dummheit.

Ein Lichtblick für die belgischen Polizisten: der belgische Justizminister de Clerck sagte 2009: "une tolérance zéro doit également être appliquée aux cas de violence à l'encontre de la police." (Quelle) Übersetzt heißt das soviel wie: "Wir müssen auch eine Nulltoleranzpolitik in Hinblick auf Übergriffe gegen Polizeibeamte fahren."
Gut, wie schon Alain Ysebart, Repräsentant einer belgischen Polizeigewerkschaft so treffend bemerkte, sind diese Worte nichts als "bonnes intentions, sans rien de concret" (gleiche Quelle), also nicht als gute Absichten ohne etwas Konkretes. Da die Belgier ja seit Juni 2010 damit beschäftigt sind, eine neue Regierung zu bilden und da auch kein Ende in Sicht ist, werden die belgischen Polizisten wohl auch noch eine Weile auf Konkretes warten müssen. Aber dass ein Politiker in der Position eines Justizministers sich öffentlich in klaren Worten hinter seine Polizisten stellt ist zwar erstmal nur eine Absichtserklärung, aber doch etwas mehr als wovon Polizisten in Deutschland auch nur träumen könnten.

Aber nach Brüssel werde ich gerne wiederkommen. Nicht nur wegen der netten Polizisten, sondern auch, weil mir die Brüsseler insgesamt als sehr freundliches Völkchen erschienen. smiley


Keine Verletzungen?Mildred Gernhardt

Posted by Mildred Gernhardt 28 Mar, 2011 21:08:09

Heute passierte in Nürnberg etwas, was ich auch nicht besser beschreiben kann als die Pressestelle der Nürnberger Polizei:

"Nürnberg (ots) - Wie bereits berichtet (Meldung 548), hat sich heute Morgen (28.03.2011) in Nürnberg-Gostenhof ein 45-jähriger Mann selbst getötet. Zuvor sollte er von einer Polizeistreife kontrolliert werden.

Nach aktuellem Ermittlungsstand überprüften die Beamten kurz vor 06:30 Uhr Meldescheine von Bewohnern eines Kurzzeitwohnheimes in Nürnberg-Gostenhof. Dabei stellte sich heraus, dass der 45-Jährige wegen strafrechtlicher Verstöße zur Fahndung (Aufenthaltsermittlung) ausgeschrieben war. Der Mann wurde einer näheren Überprüfung unterzogen und deshalb zum Streifenwagen der Beamten gebeten.

Als er durchsucht werden sollte, flüchtete er plötzlich in die Elsnerstraße. Dort zog er eine Schusswaffe und bedrohte die verfolgenden Beamten damit. Auch diese zogen ihre Dienstwaffen und forderten den Flüchtenden auf, seine Waffe niederzulegen und sich zu ergeben. Der Mann allerdings lief weiter zur Rothenburger Straße, immer in einem Abstand zwischen drei und fünf Metern durch die Beamten verfolgt.

Als der 45-Jährige die Rothenburger Straße überquert hatte, blieb er vor dem ehemaligen Volksbad stehen und schoss sich, für die Beamten völlig überraschend, unvermittelt in den Kopf.

Eine mittlerweile zur Unterstützung der Kollegen gerufene weitere Streife traf kurz danach ein und versuchte durch Einleitung und Durchführung von Wiederbelebungsmaßnahmen das Leben des Mannes zu retten. Nur wenige Augenblicke später trafen der Rettungsdienst und ein Notarzt ein und übernahmen die fortführende medizinische Notfallversorgung. Der Mann verstarb jedoch auf Grund seiner schweren Kopfverletzungen noch am Tatort.

Die beiden Beamten, die von dem Mann bedroht worden waren, fuhren zur Dienststelle zurück und werden seitdem durch Spezialisten des Zentralen Psychologischen Dienstes der Polizei betreut. Verletzt wurden sie nicht. Auch gaben sie aus ihren Dienstwaffen keinen Schuss ab.

Die vorläufigen Ermittlungen der Kriminalpolizei Nürnberg bezüglich des Toten ergaben, dass der Mann seit gestern Nachmittag (27.03.2011) in dem Kurzzeitwohnheim gemeldet und ohne festen Wohnsitz war. Über die Herkunft seiner verwendeten Schusswaffe, einen Revolver (Kaliber 38), gibt es zurzeit keine Erkenntnisse. Auch ist der Hintergrund seines Verhaltens noch völlig unklar. Diesbezüglich dauern die Ermittlungen noch an.

Die von der Staatsanwaltschaft Nürnberg angeordnete Obduktion wurde heute Nachmittag durchgeführt. Dabei entfernte der Rechtsmediziner aus dem Kopf des Verstorbenen ein Projektil, das eindeutig der Waffe des Toten zuzuordnen ist. Somit steht fest, dass sich der 45-Jährige mit einem Schuss aus seiner Waffe getötet hat."

Quelle

Verletzt wurden die beiden Beamten nicht? Körperlich ist das sicherlich richtig. Ich wünsche den beiden alles Gute beim Verarbeiten dieses Erlebnisses.

Skandal? Skandal!Mildred Gernhardt

Posted by Mildred Gernhardt 26 Mar, 2011 08:55:11

Sexueller Missbrauch von Minderjährigen ist ein Skandal. Da brauchen wir gar nicht drüber zu reden. Da gibt es in meinen Augen auch nichts zu relativieren. Das ist maximal zum Kotzen und selbst wenn mein Mageninhalt komplett auf der Straße liegt, kann ich damit noch lange nicht aufhören, wenn ich an dieses Thema nur denke.

Mein Ekel ist aber noch steigerbar, nämlich dann, wenn die Täter solcher Widerlichkeiten Personen sind, die qua Beruf besonderes Vertrauen genießen – Geistliche, Pädagogen oder Polizisten.

Nun erregt derzeit ein Polizist die Gemüter, der sich an Jugendlichen vergangen hat. Er wurde zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Damit dürfte er den Job los sein und das ist auch verdammt gut so.(Quelle)

Ein Haftantritt hat jedoch noch nicht stattgefunden. Ein formaler Fehler im Urteil, der noch vom Landgericht korrigiert werden muss.

Ja, das geht mir auch auf die Nerven. Je schneller er hinter Gitter verschwindet, desto lieber ist es mir. Vielleicht genügt sogar diese Minimalhaft, ihn von seinem Tun abzubringen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Immerhin wird er gesichert damit aufhören, Polizist zu sein. Das ist ja auch schon was… Ich vermute auch schwer, dass er seine Ansprüche auf Ruhegehalt verliert. Damit bin ich auch sehr einverstanden. Seine Opfer haben weit mehr verloren als in Geld messbar wäre.

Irgendwie schwingt bei den Artikeln und Tweets dazu allerdings subtil mit, dass dieser Typ nur noch deshalb auf freiem Fuß unterwegs sei, weil er eben Polizist ist.

Da lachen ja nun wirklich die Hühner. Kürzlich mal Zeitung gelesen?

Ich habe noch nicht gezählt, wie viele Strafverfahren wegen formaler Fehler komplett eingestellt wurden, obwohl dem Täter die Straftat nachgewiesen werden konnte. Eine Zahl, die ich auch lieber gar nicht so genau kennen möchte. Ich schlafe nachts sehr gern.

Dagegen mutet es doch richtiggehend erfreulich an, dass hier offenbar das Gericht diesen Fehler ausbügeln kann und der Mann früher oder später dann doch einfährt…

Auch das Urteil an sich ist nicht nennenswert lax. Für sich betrachtet kommt es mir persönlich natürlich schon sehr lax vor. Aber im Gesamtvergleich ist das wirklich nichts Besonderes…

2007 wurde ein Mann in Mainz zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs in 119 nachweisbaren Fällen. 500 waren ursprünglich angeklagt gewesen. Über seinen Beruf ist mir nichts bekannt.
Quelle:
http://www.carechild.de/news/aktuelle_news/sexueller_kindesmissbrauch_in_500_faellen_3_jahre_und_9_monate_haft_223_1.html

Im Januar 2010 wurde in Hamburg ein Arzt zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt, weil ihm zwei Fälle von sexuellem Missbrauch nachgewiesen werden konnten.
Quelle:
http://www.abendblatt.de/region/harburg/article1350249/Sexueller-Missbrauch-sieben-Monate-auf-Bewaehrung-fuer-Arzt.html

Im April 2010 wurde in Freiburg ein Sozialpädagoge (!) und Fußballtrainer zu zwei Jahren Haft, für fünf Jahre ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Er hatte zwei Mädchen im Alter von neun und zehn Jahren missbraucht.
Quelle:
http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/bewaehrungsstrafe-fuer-trainer-wegen-sexuellen-missbrauchs--29882916.html

Meine Absicht ist nicht, die Tat dieses Polizisten zu relativieren. Wie schon einmal an anderer Stelle in diesem Blog gesagt, haben Polizeibeamte meiner Ansicht nach eine besondere Verantwortung, sich anständig aufzuführen. Die haben aber auch Lehrer und andere im Licht der Öffentlichkeit und in Verantwortung stehende Berufsgruppen.

Meine Absicht ist vielmehr, deutlich zu machen, dass dieser Artikel meiner Meinung nach die falschen Fragen aufwirft. Zum 100sten Mal werden hier die angeblichen Privilegien von Polizeibeamten angestarrt,
* denen angeblich sowieso nicht beizukommen ist (was ich bereits hier widerlegt habe),
* die angeblich Sonderurteile bekommen (was diese drei hier aufgezählten Urteile widerlegt haben dürften, falls nicht, empfehle ich einschlägige Recherchen)
* und deren täglich begangene "Verfehlungen" (im Regelfall von der Relevanz eines Darmwindes) sich aufgebauscht zu mittleren Todsünden auf Twitter wiederfinden. Im Regelfall beobachtet und berichtet von Leuten, die sich einfach mal die §§ 35 und 38 der StVO zu Gemüte führen sollten. Lesen gefährdet ja bekanntlich die Dummheit und diesen beiden Paragrafen kann der geneigte Leser entnehmen, dass Polizisten in 99% der Fälle dürfen, worüber er sich soeben noch künstlich erregt hat.

Zurück zum Thema: Sollte nicht vielmehr die Frage lauten, ob es einer Gesellschaft, die sich "zivilisiert" schimpfen möchte, würdig ist, ein so verabscheuungswürdiges Verbrechen so lächerlich zu bestrafen? Sozialprognosen hin oder her – für die Opfer gibt es keine Prognose, dieses Trauma je zu vergessen. Die Opfer können nur lernen, damit irgendwie einigermaßen zu leben.

Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der sich Opfer durch den Gerichtsprozess ein zweites Mal zum Opfer gemacht fühlen,
* wie es Kirsten Heisig in ihrem Buch "Das Ende der Geduld" beschrieben hat,
* oder wie es Fadi Saad in seinem Buch "Der große Bruder von Neukölln" geschildert hat? Er hatte sogar als Täter Mitleid mit dem Opfer, weil er regelmäßig mit einem warmen Händedruck davonkam!!!

Wir leben in einem Land, in dem manche Polizeibeamte den Opfern von Straftaten just in dem Moment nur noch sehr schwer in die Augen sehen können, in dem diese nach Erstatten ihrer Anzeige fragen, wie denn die Chancen stehen, dass der Täter auch verurteilt wird. Nicht zu glauben? Dann lesen Sie doch mal das Buch "Semper Fi" von Jochen Schuler.

Gerechtigkeitsempfinden ist eine subjektive Sache, das weiß ich. Allerdings dachte ich bis dato immer, das Recht auf Leben und körperliche wie seelische Unversehrtheit sei ganz objektiv das am höchsten anzusiedelnde Menschenrecht. Aber vielleicht habe ich da einfach etwas falsch verstanden, wenn davon die Rede war.

Ich weiß auch schon ganz genau, von wem ich jetzt wieder verbale Keulen übergezogen bekomme. Und welche. Mir wird mit Sicherheit wieder vorgeworfen werden, "die Rechte von Opfern gegen die von Tätern auszuspielen".

Nur zu! Wer keult, disqualifiziert sich sowieso selbst…

Semper Fi - Tagebuch eines PolizeibeamtenMildred Gernhardt

Posted by Mildred Gernhardt 24 Mar, 2011 18:34:59

Ich werde oft gefragt, was Polizeibeamte mir denn so erzählen. Manchmal mit diesem Unterton, der mir die Sinnlosigkeit meines Tuns verdeutlichen soll. ("Was können die schon für Probleme haben, wenn sie sich in ihren Streifenwagen die Eier schaukeln?")

Sehr viel häufiger geworden sind jedoch die Fragen, in denen echtes Interesse mitschwingt. Da verweise ich dann auf die Vertraulichkeit meiner Gespräche. Unbefriedigend für die Interessierten.

Jetzt gibt es eine Lösung. Sie heißt "Semper Fi – Tagebuch eines Polizeibeamten". Ein Buch, das mir, wie könnte es anders sein, von einem Polizeibeamten empfohlen wurde.

In diesem Buch beschreibt ein Polizist seinen Alltag. Dabei ist er natürlich subjektiv. Er schreibt sich, wie er selbst zugibt, Frust von der Seele. Frust, der ihm die Luft zum Atmen abschnürt. Der ihm auf der Brust liegt wie ein Gewicht. Wer diesem Buch vorwirft, nicht objektiv zu sein, hat nichts von diesem Buch verstanden. Objektivität ist nicht, was der Autor will.

Er berichtet uns von Erlebnissen mit vorgeblich "gebildeten" Menschen, die sich aus irgendwelchen hanebüchenen Gründen für überlegen halten ("Haben Sie nichts Wichtigeres zu tun?", "Ich bekomme soundsoviel tausend Euro Pension im Monat. Und Sie?"). Tausend kleine Nadelstiche, die trotz ihrer Erbärmlichkeit irgendwann schmerzen. Es geht weiter mit Menschen, die die Polizei erst rufen, um ihren Arsch retten zu lassen und den Polizeibeamten dann regelmäßig in den Rücken fallen ("Ist das jetzt nötig?"). Natürlich kommt ebenso brachiale Gewalt vor, mit der auch dieser Polizist konfrontiert wurde. Ich bin nicht umsonst auf dieses Projekt gekommen.

Jochen Schuler beschreibt die Sachlage aus einer subjektiven Warte. Darauf weist auch sein Schreibstil hin. Er schreibt, wie er vermutlich spricht. Wie die meisten Polizisten, die mit mir reden. Er redet wie ein normaler Mensch, in ziemlich gutem Deutsch und übt sich nicht in falscher Zurückhaltung. Alkoholisierte Typen, die ihm die Faust ins Gesicht rammen wollen, nennt er "besoffene Arschlöcher". Wer will es ihm verübeln?

"Semper Fi" ist erschreckend. Erschreckend dahingehend, dass ich nicht eine einzige der Geschichten überraschend finde, weil ich sie so oder ähnlich schon von Polizeibeamten erzählt bekam. Allerdings noch nie in so komprimierter Form.

Das kombiniert mit dem sarkastischen Polizistenhumor, den ich so mag, hat dafür gesorgt, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Oft habe ich gelacht und oft ist mir das Lachen im Halse stecken geblieben.

"Dieses Buch wird manchen Menschen derzeit nicht wichtig erscheinen." (Klappentext innen) Nun, ich gehöre zu denen, denen es wichtig erscheint. Es ist hochaktuell.

Zwar platzt Schuler hier und da der Kragen und er greift zu krass erscheinenden Lösungsvorschlägen. Jedem Leser mit einigermaßen Einfühlungsvermögen wird freilich klar, dass er damit keine Handlungsanweisungen gibt, sondern lediglich Gegenvorschläge macht. Gegenvorschläge, die vor dem Hintergrund nicht unberechtigt sind, dass die derzeitige Praxis in den allermeisten Fällen von Kleinkriminalität ganz offensichtlich kein bisschen weiterhilft. Dem Täter nicht und schon gar nicht dem Opfer. Was ja auch schon Kirsten Heisig, Fadi Saad und andere Menschen bemerkt haben.

Letztlich macht er ganz und gar deutlich, dass er sich reichlich verarscht davon fühlt, wieder und wieder dieselben Täter wegen derselben Delikte festzunehmen, weil sie einfach keine Grenzen besetzt bekommen. Bis es irgendwann zu spät ist, nicht nur für die Opfer, auch für die Täter, die dann irgendwann doch das dicke Ding drehen und endlich im Knast landen. Was selbst in Deutschland keine angenehme Erfahrung ist und was man ihnen hätte ersparen können, hätte man ihnen gleich das Ende der Fahnenstange gezeigt.

Die von diesem Polizisten beschriebene Respektlosigkeit, die immer mehr um sich greift, kenne ich aus Erzählungen anderer Polizeibeamten, aber auch aus anderen Zusammenhängen. Sie wird mir aus Schulen zugetragen oder man kann sie einfach erleben, wenn man jeden Tag über die Straße geht und die Augen und Ohren offenhält.

Mit "Respekt" meine ich übrigens nicht die pervertierte Form wie in "Ey, Alder, du musst voll Respekt vor mir haben." Ein freier Mensch muss vor niemandem in Ehrfurcht erstarren. Ich meine das, was ein Polizeibeamter mir gegenüber einmal so ausgedrückt hat: "Mir würde ein bisschen Wertschätzung für das, was ich jeden Tag tue, schon ausreichen." Das Gegenüber einfach als Mit-Menschen anzusehen und höflich zu behandeln ist eigentlich schon genug.

Dieser Respekt geht jeden Tag ein Stück weit mehr verloren. Das äußert sich u.a. darin, dass früher, wenn man den Gegner zu Boden gebracht hatte, eine Schlägerei beendet war. Heute tritt man auf den am Boden liegenden ein und zertrümmert ihm nach Möglichkeit noch das Gesicht.

Ich persönlich bin nicht mit restlos allem einverstanden, was Schuler schreibt und fordert. Aber seine Grundaussage ist klar – er ist frustriert, er fühlt sich verarscht und er fühlt sich im Stich gelassen. Von der Politik und von uns allen. Damit spricht er nicht wenigen Polizeibeamten, mit denen ich zu tun habe, aus der Seele. Sehr vielen. Wie oft habe ich schon gehört: "Manchmal würde ich es am liebsten hinschmeißen." Tut das bitte nicht. Wir, die wir Euch nicht regelmäßig auffallen, weil wir uns an die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens halten, brauchen Euch!

Schon in anderen Zusammenhängen habe ich mich immer wieder gefragt, warum man nicht auf die Leute an der "Front" hört. Jene, die den Arbeitsalltag bewältigen und teilweise jahrzehntelange Berufserfahrung auf sich vereinigen. Klar haben die eine durch ihre persönliche Situation geprägte Sichtweise, aber das macht sie doch nicht ausnahmslos zu Idioten, die man nicht weiter beachten muss. Klar auch, dass die ebenfalls noch dazulernen können. Aber mit Sicherheit kann man auch von ihnen nicht schlecht lernen.

Vor etwa elf Jahren hatte ich die Nase gestrichen voll vom Dasein in einer deutschen Großbank. Ich sah keinen Sinn in meinem Tun. Damals führte ich u.a. Verhandlungen mit diversen Landespolizeibehörden. (Insofern kann ich Jochen Schulers Worte "Ich bin zur Polizei gegangen, weil ich, wie viele andere meiner Kollegen ein "Weltverbesserer" war und dieses Land ein Stück weit verändern wollte" (S. 4) extrem gut nachvollziehen.)

Meine Verhandlungen scheiterten daran, dass es für mich mit einem Hochschulabschluss keinen Weg in den Streifenwagen gab. Selbst das Angebot eines schriftlichen Verzichts auf die Besoldung des höheren Dienstes brachte mich da kein Stück weiter. Damit war das Thema Polizei gegessen, denn ich wollte ja aus den Bürojobs raus. Im schicken Kostümchen oder in Uniform mit goldenem Stern einen Sessel warmzuhalten, erschien mir ziemlich gleichrangig.

Vielleicht nicht der schlechteste Verhandlungsausgang. Am meisten bewundere ich ja die Selbstbeherrschung, die Polizeibeamte angesichts der ihnen entgegen schlagenden Dreistigkeit an den Tag legen. Wer weiß, ob ich das könnte.

Hingegen machte man mir damals durch die Bank deutlich, dass ich nach etwa zwei Wochen Praktikum bei der Schutzpolizei dann an Konzepten für bessere Polizeiarbeit mitwirken sollte. Um bei einem von Jochen Schuler und mir gleichermaßen gern genutzten Bild zu bleiben – das habe ich abgelehnt, weil ich als Blinde jenen, die seit 20, 30 Jahren den Himmel sehen, nichts über seine Farbe erklären wollte.

(An dieser Stelle sei allen Küchenpsychologen gesagt, dass ich mich nicht jeden Abend in den Schlaf weine, sondern im Gegenteil in meinem aktuellen Beruf ausgesprochen zufrieden bin. Was mich nicht gehindert hat, in der verschobenen Wahrnehmung, wer in diesem Land die Gewalttäter sind, eine Ungerechtigkeit zu erkennen.)

Nun, hätte ich mich damals darauf eingelassen, dann würde ich heute alles daran setzen, herauszufinden, wer Jochen Schuler wirklich ist. Und zwar nicht, um ihn in den "Genuss" von Repressalien kommen zu lassen oder ihn mundtot zu machen, sondern um in ihm einen sicherlich unbequemen, aber in jedem Fall ehrlichen Berater zu haben. Vermutlich würden ab und zu die Fetzen fliegen – aber Gewitter reinigen ja bekanntlich die Luft.

Ich hoffe, dass seine Vorgesetzten das ähnlich sehen.

Falls Sie das hier lesen, Herr Schuler:

Auf Seite 308 schreiben Sie: "Der größte Erfolg wäre für mich, wenn Sie sich vielleicht für die Zukunft den Vorsatz nehmen könnten, einfach mal zu lächeln, wenn Sie einem Polizeibeamten begegnen. Er wird es ihnen danken, auch wenn er es sich wahrscheinlich nicht erkennbar anmerken lässt."

Das mache ich schon lange, aber seit Lektüre Ihres Buches tue ich es mit noch mehr Freude, weil ich jetzt sicher weiß, dass die Botschaft ankommt, wo sie hinsoll. Danke dafür! smiley

Diese Republik hat heute früh mal wieder einen guten Teil meiner Sympathie verspielt, als ich erfahren musste, dass den Soldaten in Afghanistan derzeit die Zahnpasta ausgegangen ist. Ich habe welche hingeschickt. Nicht, um freundlicherweise die Staatskasse zu entlasten, sondern weil ich es beschämend finde, wenn Menschen per Parlamentsbeschluss in so eine Scheißlage geschickt werden und es dann offenbar nicht einmal möglich ist, eine Grundversorgung mit Hygieneartikeln zu gewährleisten. Der letzte Rest Ansehen wäre an dem Tag verspielt, an dem ich erfahren muss, dass Jochen Schuler suspendiert worden wäre, anstatt einfach angehört zu werden.